Organisatorin des
Elbjazz Festivals

 | smykker Mag VOL 9

Tina Heine

Wie gründet man eines der größten Jazzfestivals Deutschlands?

Tina Heine ist Initiatorin, Netzwerkerin, Schnelldenkerin, Gastronomin, Kuratorin und Gründerin des bekannten Hamburger Elbjazzfestivals. Mit 22 Jahren die erste eigene Bar mit 32 Jahren das erste Festival, kein kleines, sondern gleich eines der größten Jazz-Festivals in Deutschland. Beim Auftakt 2010 waren 10.000 Besucher an außergewöhnlichen Schauplätzen vom Stückgutfrachter bis zum Werftgelände: Gewaltige Kräne, große Docks und Barkassenfahrten von Bühne zu Bühne waren Programm und sorgten für eine gelungene Mischung von Kultur und Tourismus.


Aber wie kommt man überhaupt auf die Idee, ein ganzes Festival auf die Beine zu stellen?

„Ich suche nie bewusst nach Ideen oder Dingen, die ich anfangen könnte, sie fallen mir eher zu, weil ich mit sehr offnen Augen durchs Leben gehe. Ich wollte z.B. nie eine Bar haben, aber dann hat ein Bekannter von mir das Gebäude gekauft und gefragt, ob wir nicht darin eine Bar eröffnen wollen. Ich habe da noch studiert, aber fand die Idee einfach erstmal echt spannend... Wahrscheinlich hätten es 10 andere Leute nicht gemacht - ich war 22, mitten im Studium und wir brauchten auch noch 220.00 Mark Startkapital. Ich denke aber über solche Sachen einfach nicht so nach. Wenn ich ein gutes Gefühl habe, lege ich los.“

Gesagt, getan! Gemeinsam mit ihrem damaligen Geschäftspartner Bodo Klemm gründete sie die Bar „Hadleys“, die auch heute noch im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel zu einer festen Institution gehört. Tina und Bodo haben einen Ort geschaffen, in dem Menschen gern zusammenkommen, auf einen Drink, eine Brotzeit oder zum Frühstücken. Und weil Tina neben all dem eben auch noch eine echte Leidenschaft für Jazz hatte, lag es für sie nahe, die Musik in ihre Bar zu holen. Sie lud verschiedenste Jazzmusiker:Innen ein, in der Bar zu spielen und bot ihnen damit eine Bühne. Während der zahlreichen Abende kam sie immer wieder mit verschiedenen Musikern ins Gespräch und stellte sich die Frage, wie es sein kann, dass es auf der einen Seite „Musikstadt Hamburg“ heißt und mit der Elbphilharmonie ein großes Projekt umgesetzt wird und auf der anderen Seite eine so weltoffne Musikrichtung wie der Jazz ein echtes Schattendasein in Hamburg fristete.

„Also habe ich mich gefragt: Warum gibt es hier eigentlich kein großesJazzfestival wie in Montreux oder London? Ich bin davon überzeugt, wenn man ganz laut behauptet, dass diese Stadt Jazz kann, dann wird sie auch daran glauben.“ Statt, wie es sicherlich viele andere Menschen getan hätten, einfach nur darüber nachzudenken, fing Tina einfach an, diese Idee in die Welt zu tragen, mit Menschen über das „Jazzfestival“ zu sprechen, dass die Stadt „doch gut gebrauchen könnte“.

Mit 32 Jahren, also 10 Jahre nach Eröffnung des Hadleys, spann Tina wieder ihre Netze über die Stadt, traf Musikproduzent:Innen, Mitdenker:Innen und schrieb ein Konzept dafür, wie dieses Festival aussehen könnte. „Wir haben einfach losgelegt. Wir haben Locations angefragt, Blohm+Voss für das Werftgelände, die Katharinenkirche und so weiter. Bei den Locations kam immer die Frage nach den Partnern und wir haben die Bälle geschickt hin und her gespielt. Den Locations haben wir gesagt, dass wir bereits in Gesprächen mit Audi und der Volksbank waren und den potenziellen Geldgebern wiederum über die Gespräche mit den Locations berichtet. Es gab ein paar entscheidende Momente. Als wir im Kultursausschuss vom Tourismusverband Hamburg unser Konzept vorstellten und Folkert Koopmans von FKP Scorpio neugierig wurde und uns ansprach. Er wurde später, gemeinsam mit Karsten Jahnke unser Geschäftspartner und Investor.“
Bis dahin dauerte es aber noch eine Weile und Tina und ihre Mit-Gründerin Nina Sauer machten einfach weiter. Beide hatten keine Erfahrung darin Künstler zu buchen oder Bühnenaufbauten zu entwickeln. Sie haben einfach Agenturen angeschrieben, Preise eingeholt, Künstler und Bühnen gebucht. „Im Nachhinein kommt es mir manchmal völlig größenwahnsinnig und bescheuert vor, aber es hat funktioniert. Unsere Rettung war, dass 3 Monate vor dem Festival, FKP Scorpio mit eingestiegen sind.“ FKP Scorpio ist ein Hamburger Veranstaltungsunternehmen, das 1997 das erste Hurricane Festival veranstaltet hatte und damit jede Menge Festivalerfahrung mitbrachte.

Am Ende stand das Festival, mit großen deutschen Künstlern wie Till Brönner und  internationalen Acts, an Hamburger Schlüsselpunkten, wie der Wert von Blohm+Voss.


„Zwei Tage, 16 Bühnen, 60 Konzerte. Internationale Stars, lokale Acts - alles was bereits in dem Zweizeiler stand, mit dem wir ganz am Anfang losgelaufen sind.“


Ganz von allein lief das ganze aber natürlich auch nicht. Da Tina mit dem Hadleys Gastroerfahrung hatte, hat sie kurzerhand auch die Festival-Gastronomie übernommen - und ganz nebenbei noch das ganze Festival geleitet. Was nicht immer nur rund lief. Kurz vor Start des ELBJAZZ sass Festivalleitung Tina noch im Hinterzimmer und verteilte hektisch 40.000 EUR Kleingeld auf die Wechselgeldkassen, während draußen die Presse auf erste Interviews mit ihr wartete. „Ich hatte einfach noch nicht die Erfahrung, um alles zu delegieren. Ich wusste einfach so gar nicht, was auf mich zu kommt.“

Trotzdem wurde das ELBJAZZ zu einem echten Erfolg und sofort Teil der Hamburger Kulturszene.
Einen Grund für den großen Erfolg dieses jungen Festivals sieht Tina auch darin, dass sie von Anfang an und im Vorfeld des ersten Festivals überall dabei waren. Sie haben mit vielen Akteuren aus der Hamburger Kulturlandschaft kooperiert und kollaboriert, vom Thalia Theater über die Deichtorhallen, der Hochschule für Musik und Theater bis hin zum Rathaus für die Lange Nacht der Museen. Auch haben sie in enger Zusammenarbeit mit Stadtmarketing und Hamburg Tourismus gleich auch auf die internationale Vermarktung gesetzt... Und der Name war Programm. ELBJAZZ. Das klingt nach großer weiter Welt, nach Möwengeschrei, nach Hamburg  - als dann die Werft von Blohm+Voss als einer der Veranstaltungsorte bestätigt wurde, war klar: Das ELBJAZZ, das ist ein großes Stück Hamburg.

Tina Heine hat sich 2015 aus der Geschäftsführung und Leitung des Elbjazz verabschiedet. Seitdem hat sie in Salzburg erneut die Leitung eines Jazzfestivals, das „Jazz and the City“ übernommen. Außerdem ist sie Intendantin des zeitgenössischem Kunst- und Performancefestival Supergau Im Salzburger Land.
Das Elbjazz findet 2022 erneut statt, hoffentlich mit Tina tanzend in der wogenden Maße, denn machmal ist es auch schön, wenn man einfach mal nur zu Gast sein darf.

 

Tina Heine

Initiatorin, Netzwerkerin, Schnelldenkerin, Gastronomin, Kuratorin und Gründerin des bekannten Hamburger Elbjazzfestivals.

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