Eine Inspiration
& wichtiges Vorbild

 | smykker Mag VOL 11

Ninia LaGrande

Feminismus, Inklusion und modische Stilsicherheit - Ein Rolemodel für alle Fälle!


Ninia LaGrande lebt und arbeitet in Hannover. Sie ist Moderatorin, Autorin, Podcasterin und Schauspielerin. Ninia gilt mit 1,38 m Körpergröße als kleinwüchsig und ist gerade aufgrund ihrer offenen Art, ihrem ausdrucksstarken Stil und ihrer Sichtbarkeit durch ihren Erfolg, ein wichtiges Vorbild.

„Ich sehe mich selbst nicht als Aktivistin. Ich bin Autorin, Moderatorin und Podcasterin und ich habe zu manchen Dingen eine Meinung und setze mich dafür ein, ich bin aber keine Aktivistin. Ich bekomme viel Feedback von Menschen mit Behinderungen oder Eltern von kleinwüchsigen Kindern, die mir sagen, wie wichtig es für sie war, eine kleinwüchsige Frau in dem oder dem Bereich gesehen zu haben. Dass ich eine Art Role Model für sie bin und das macht mich sehr stolz und ich finde es richtig toll! Ich freue mich auf sehr über Rückmeldungen von Menschen, die mir schreiben, dass ich sie inspiriert habe, sich bunter anzuziehen oder mehr Lippenstift aufzulegen oder ein wenig expressionistischer mit sich umzugehen. Das macht mich wirklich sehr glücklich, wenn ich da eine Inspiration für andere sein kann!“

Ninia inspiriert die Menschen nicht nur mit verschiedenen Medien, sie ist auf Social Media aktiv, reist für ihre Moderationen durch das ganze Land, sie schreibt Kolumnen, hält Vorträge und nimmt Podcasts auf. Wie schafft sie das bloß alles?


„Das, was man so sieht, das schaffe ich, alles andere bleibt eben auch mal liegen. Und ich habe mit den Jahren gelernt, dass das total okay ist.“ Eine Lässigkeit, die sich durch ihren ganzen Werdegang zieht.


Ninia ist in das, was sie tut, ganz sanft eingestiegen, kein großer Erfolg von einem Tag auf den anderen, sondern einen Schritt nach dem nächsten. „Ich habe schon immer gern auf der Bühne gestanden, ich war in der Theater AG und habe Ballett getanzt. In der Schule gab es eine Kunstlehrerin, die mich sehr gefördert hat, sie hat mich in regelmässigen Abständen gefragt, ob ich Veranstaltungen der Schule moderieren möchte. Irgendwann wusste ich, das ist es, was ich machen möchte. Ich wusste nur nicht, wie man Moderatorin oder Sprecherin wird.“ Ninia hat dann erst einmal studiert und danach bei einem Start-Up im Bereich Social Media gearbeitet. Neben der Arbeit hatte sie Auftritte und das lief so gut, dass sie irgendwann vom Büro in die Bahn, von dort zum Auftritt gehetzt ist, ein paar Stunden im Hotel geschlafen hat und dann wieder ins Büro geeilt ist. Keine Lösung von Dauer. Als Ninia 2015 das Angebot bekam, bei RTL eine eigene Modesendung zu moderieren, war das der endgültige Startschuss in ihre Selbstständigkeit. Seit September 2015 macht Ninia jetzt alles „was mit Worten zu tun hat“.

Ninia moderiert – vor der Kamera und auf Bühnen verschiedenste Formate, Diskussionen und Veranstaltungen mit den Schwerpunkten Inklusion, Feminismus, Politik und Mode. Außerdem produziert sie regelmäßig Podcasts, u.a. gemeinsam mit der Schauspielerin und Sängerin Denise M'Baye "Die kleine schwarze Chaospraxis“. Auf Instagram und anderen sozialen Netzwerken setzt Ninia sich aktiv für feministische und inklusive Themen ein. 2016 hat sie den Hashtag #ausnahmslos mit initiiert und wurde dafür mit dem Clara-Zetkin-Frauenpreis für politische Intervention ausgezeichnet.


„Ein großer Moment war, als wir gemeinsam mit 22 anderen Menschen zur Silvesternacht in Köln den Hashtag #ausnahmslos etabliert haben. Wir wollten erreichen, dass sexualisierte Gewalt ausnahmslos untersucht und verurteilt wird. Das hat auch dazu beigetragen, dass wir 2016 den „Nein heißt Nein“-Paragraphen in Deutschland bekommen haben. Das war eine richtig große Bewegung und für mich etwas ganz Besonderes.“


Heißt das, wir sind gerade auf einem guten Weg? „Ich empfinde gesamtgesellschaftlich die Themen gerade sehr anstrengend. Wenn wir über das Thema Inklusion sprechen, hat sich in den letzten 10 Jahren auf jeden Fall schon etwas getan, aber es ist einfach noch zu wenig. Wir sind weiter als vor 10 Jahren, aber wir sind nicht da, wo wir sein sollten! Die Menschen, die keine Behinderung haben oder von anderen Intersektionalitäten betroffen sind, haben da noch viel zu tun. Ich bin ein wenig müde geworden, dass sich immer die Leute, die eh schon mit dem Thema zu tun haben, sich darum kümmern müssen. Ich erwarte von der Politik und Menschen, die keine Behinderung haben, dass auch sie sich dafür einsetzen.“

Genau solche Worte zeichnen Ninia aus, sie setzt einen Appell, stösst etwas an, ohne direkt alle vor den Kopf zu stoßen. Für ihr Engagement wurde Ninia 2020 mit dem Stadtkulturpreis des Freundeskreises Hannover ausgezeichnet.

Seit knapp 5 Jahren ist Ninia zudem Mutter eines kleinen Sohnes, das hat zwar nicht ihren Blick auf die Welt verändert, ihr jedoch durchaus geholfen, die Welt einmal mit anderen Augen zu sehen. „Ich sehe die Welt immer mal wieder mit den Augen meines Kindes. Besonders, wenn wir in Konflikten sind, oder Dinge nicht so laufen, wie ich mir das vorgestellt habe. Dann versuche ich mich in mein Kind reinzuversetzen. Ich hätte wahrscheinlich genauso reagiert, ich bin einfach nur erwachsen und habe eine ein wenig bessere Selbstregulation. Das tut immer mal wieder ganz gut, sich in die Rolle eines anderen reinzuversetzen. Das hilft mir oft, Dinge zu verstehen und Gefühle nachzuvollziehen.“

Ninia LaGrande

Ein Interview mit der Moderatorin, Autorin, Podcasterin und Schauspielerin.

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