Außergewöhnliche Gestaltungskonzepte
Crystal Clear

 | smykker Mag VOL 7

Crystal Clear

Architekturtrend Glashäuser

Rund um die Welt haben sich Architekt*innen über die Jahrhunderte immer wieder unterschiedliche Baustoffe und Materialien zu eigen gemacht und auf diese Weise wahrhaft eindrucksvolle Bauwerke geschaffen. An Glas, jenem einzigen und faszinierenden Werkstoff, der Gebäude zu durchsichtigen Juwelen werden lässt, haben sie sich allerdings lange die Zähne ausgebissen. Darum hat der Baustoff Glas in der Architektur erst seit etwa 100 Jahren eine größere Bedeutung. Die ersten Glasscheiben waren schlichtweg zu klein, zu instabil, zu verschwommen und auch zu teuer, um sie in größeren Formaten zu verwenden. Früher wurden sie daher ausschließlich kleinflächig in Sprossenfenster eingesetzt – die Sprossen aus Holz oder Metall waren unverzichtbar, um der Fensterkonstruktion die nötige Stabilität zu geben.

Außergewöhnliche Gestaltungskonzepte

Die technische Möglichkeit, Glas wirklich großflächig zu biegen, ist sogar noch recht jung. Entstanden sind daraufhin außergewöhnliche Gestaltungskonzepte wie die geschwungenen Balkone an der Elbphilharmonie in Hamburg oder die Dachterrasse des ARoS Aarhus Kunstmuseums in Dänemark. Sie empfängt ihre Besucher auf einem geschwungenen Pfad mit einem sensationellen Ausblick über die Stadt. In Taiwan steht inzwischen eine 17 Meter hohe Kapelle in Form eines weiblichen Schuhabsatzes – ihre Fassade besteht einzig und allein aus geschwungenem blauem Glas.

Schweben über dem Nichts

Garantiert nichts für schwache Nerven sind Glasbrücken oder Skywalks, die inzwischen immer häufiger anzutreffen sind und bisweilen echte Rekorde aufstellen. Sie vermitteln nicht nur ingenieurtechnische Eleganz, sondern bieten den Besuchern auch den besonderen Kick. Spektakulär und atemberaubend zugleich, überbrücken sie Täler und Landschaften. Eine der längsten Glasbodenbrücken der Welt verbindet zwei Klippen miteinander und überbrückt mehr als einen halben Kilometer Gelände. Sie ist 518 Meter lang und befindet sich mehr als 100 Meter über dem Grund. Darauf kann einem in der chinesischen Provinz Jiangsu im Huaxi schon mal kurz das Herz stehen bleiben. Die einzelnen Bodenplatten bestehen aus 35 Millimetern dickem Glas. Jedes Einzelne dieser Elemente soll mit bis zu 4,7 Tonnen Gewicht belastbar sein. Deshalb ist es auch möglich, dass die Brücke rund 2.600 Menschen gleichzeitig trägt.

Rekordverdächtige Schönheit

Außen und Innen verschmelzen dank solcher Glaskonstruktionen genauso wie das Oben und Unten. Für den Betrachter sind Bauwerke aus Glas ebenso faszinierend wie für diejenigen, die darin arbeiten, wohnen oder sie betreten. Auch Gebäude wie der Shanghai Tower in China, das One World Trade Center in New York, aber auch der Burj Khalifa in Dubai beweisen das eindrucksvoll. Das dortige Restaurant befindet sich im 122. Stock auf einer Höhe von 442 Metern. Es verfügt über einen verglasten Raum, der einen Panoramablick auf die Palmeninseln, die Nachbarstadt und das Meer erlaubt. Verglast ist aber nicht nur das Lokal, sondern gleich der gesamte 828 Meter hohe Turm.

Technische Meisterleistungen

Moderne Verglasungen sind bei solch hohen Gebäuden hightech, schließlich müssen sie mit Temperaturunterschieden und einer gehörigen Portion Druck durch Windkräfte umgehen können. Aber auch eine Nummer kleiner begeistert: „The Shard“ steht mitten in London. Allerdings ist der Name, typisch britisch, untertrieben. Für „Die Scherbe“ waren nämlich mehr als nur eine Glasscherbe notwendig. Das 310 Meter hohe, pyramidenförmig aufgebaute Bürohaus ist mit 11.000 Scheiben komplett verglast. Mit rund 462 Metern Höhe sticht auch das Lakhta Center in St. Petersburg heraus wie aus einem Nadelkissen. Der Wolkenkratzer dreht sich von ganz unten bis zur Spitze um 90 Grad um die eigene Achse, wobei seine 100.000 m² große Fassade komplett aus 2,8 x 4,2 Meter großen Glaselementen besteht. Gigantische Häuser aus Glas müssen aber nicht unbedingt hoch sein. Die Apple-Zentrale im kalifornischen Cupertino ist faktisch ein Glashaus. Sie wurde mit den – bis dato – größten gläsernen Fassadenelementen der Welt verkleidet.

Wenn Glas schlau wird

Das größte Glasdach der Welt mit einer Länge von 110 Metern und einer Breite von 60 Metern gehört übrigens dem National-Botanic-Haus in Wales. Von außen betrachtet sieht es aus wie ein gelandetes Ufo. Das größte frei hängende Glasdach Europas befindet sich allerdings in Niederösterreich. Eine 33 mal 77 Meter große Stahl-Glas-Konstruktion überspannt die Römertherme Baden bei Wien. Dank dieser technischen Meisterleistung konnte der Charakter des historischen Freibads erhalten bleiben. Und dennoch befindet sich nun alles unter einem Dach. Um die Energieeffizienz zu steigern, wird bei Glas inzwischen viel experimentiert. Zum Beispiel mit speziellen Glassorten, die bei heißem Wetter undurchsichtiger werden, um die Sonne zu blockieren oder sogar selbst Strom zu erzeugen.

Die optische Verschmelzung von Wohnraum und Natur

Aufgrund seiner Lichtdurchlässigkeit erzeugt Glas in der Architektur eine angenehme und luftige Raumatmosphäre. Psychologen behaupten gar, das Material komme unserem inneren Wunsch nach Transparenz nach. Es ermöglicht sowohl den Blick nach außen als auch nach innen und verleiht ein Gefühl von Weite. Wohnraum und Natur bzw. Nachbarschaft werden zu einer Einheit. Keine Frage: Wer das Glück hat, über ein uneinsehbares Grundstück zu verfügen, plant inzwischen gerne mit verglasten Fronten oder Wänden, die, je nach Standort, spektakuläre Ausblicke bieten können oder Räume miteinander verschmelzen lassen. Wie das in Vollendung aussieht, zeigt nicht zuletzt das Privathaus r128 des deutschen Bauingenieurs und Architekten Werner Sobek in Stuttgart oder das legendäre, aus zahlreichen Filmen bekannte Stahl House in den Hollywood Hills, das bereits 1954 entstanden ist und in das auch wir am liebsten gleich einziehen würden.

Architektur­trend Glashäuser

Glas, ein Bau- und Werkstoff, der jedem Gebäude Luftigkeit und Eleganz verleiht.

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